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Hölltal - der schönste Blick zu den Hörselbergen

Höhenmeter über NN: 330m
Strecken die du geschafft hast: 9,5km
Strecke bis zum Ziel: 1,5km

Vom Ochsenstall geht es nur noch bergab. Hinab in das Hölltal bei Mosbach, an dessen Ende die letzte Sagenstation auf euch wartet. An der Sagenstation habt ihr einen der schönsten Blicke der Wanderung, an dessen Horizont sich die Hörselberge erstrecken. Danach wanderst du am Sportplatz und am Feriendorf am Forsthaus vorbei, zurück zum Ausgangspunkt deiner Wanderung, dem Mosbacher Schwimmbad. Dort ist der perfekte Ort, um die Mosbacher Sagenwelt in Thüringen mit echter Thüringer Küche abzuschließen.
Das sagenumwobene Hölltal hat seinen Namen auch aus der Sagenzeit. Und so hat es sich ergeben, dass Hölltal sich so nennt, weil hier Hexen auf Besen ihr Unwesen getrieben haben sollen. Auch hat man den Kindern in dieser Region erzählt, dass Frau Holle in den Hörselbergen wohnt. In der letzten Sagenstation wird übermittelt, dass sogar der Teufel hier in Mosbach gesehen wurde.

Blick Richtung Rennsteig
Hölltal Weg Richtung Mosbach
Blick vom Hölltal Richtung Hörselberge

Inhalt der Sagenstation - Hölltal

Einst saß ein Kittelsthaler Bauer (Kittelsthal, ein Dorf nicht weit von hier) mit seinem Knecht nahe Mosbach, in einer mondhellen Nacht auf ihr Feld am Lagerfeuer, um es vor Wild zu bewachen. Und die beiden unterhielten sich über die Hochzeit, die am nächsten Tag in Mosbach gefeiert werden sollte. Plötzlich stieß der Knecht seinen Herrn an und deutete auf einer kleinen viereckigen Wolke, welche in großer Schnelligkeit aus der Richtung vom Hörselberg aufstieg. „Seht Herr, dort kommt er! Was er nur in der Kiste haben mag? Es muss recht schwer sein. Seht, wie er arbeitet!“ sprach der Bauer. In diesem Augenblick ertönte ein furchtbares Sausen und Brausen in der Luft, sodass der Bauer entsetzt vom Feuer aufsprang. Der Knecht jedoch ließ sich nicht stören: „Nun, ich glaube, dem müssen die in der Mosbach recht genehm sein. Er hat gehörig aufgehockt.“ Aber der Bauer hörte schon die letzten Worte nicht mehr. Er lief, was er kaufen konnte, um Haus und Hof zu erreichen. Inzwischen hat sich der Gottseibeiuns (Teufel) mit seiner schweren Kiste beim Knecht am Feuer niedergelassen und schimpfte gewaltig, dass er ihn in seinem Fluge gehemmt habe. Der Knecht lachte den Teufel aus und verlangte einen Teil vom Hochzeitskuchen. Ärgerlich reichte ihm der Teufel einige große Stücke und bat den Knecht beim Aufkommen zu helfen. Der Knecht aber weigerte sich. Da rief der erboste Teufel ein ganzes Dutzend Weibernamen in die Nacht hinaus, zuerst die der Braut und ihrer Mutter in Mosbach. Mit einem „Hopp“ stand er da wieder auf den Beinen und flog durch die Luft nach Mosbach. Den Kuchen aber, den der Knecht am anderen Morgen im Hofe anbot, wollte keiner haben. Selbst die Hunde ließen ihn unberührt, obwohl er ganz dick mit Rahm geschmälzt war. Es ging ein eigenartiger Geruch von ihm aus. Die Stiefmutter des Kittelthaler Bauern war auch zur Hochzeit in die Mosbach geladen. Als sie den Weg dahin antreten wollte und ihr der Sohn spöttisch guten Appetit wünschte, erwiderte sie ärgerlich: „Ich weiß schon, worauf du anspielst und weiß auch, was ich im rechten Augenblick zu tun habe.“ Die Tische brachen fast unter den aufgetragenen Speisen. Doch wollte es keinem recht schmecken. Die Gerichte hatten alle etwas Absonderliches und rochen nach Moschus. Plötzlich trat ein Fremder in grüner Jägerkleidung ein, auf dem die Braut und ihrer Mutter sofort zustürzten und ihm wie einen alten Bekannten herzlich begrüßten. Bald darauf begann er den Ehrentanz mit der Braut, dann griff er weiter und weiter, bis er mit fast allen Frauen und Mädchen getanzt hatte. Auch die Stiefmutter unseres Bauern sollte tanzen. Die aber trat, als er ihr nahte, sofort einen Schritt zurück und rief zornig, während sie nach seinen Füßen deutete: „Geh weg von mir, Satan! Ich habe deinen Pferdefuß gesehen und tanze nicht mit dir!“ Entsetzt blickten alle nach dem Fuß des Jägers. Als dieser sah, dass er erkannt war, machte er keine Umstände mehr und fuhr in seiner wahren Gestalt zur Tür hinaus. Ein paar Minuten darauf waren alle Gäste auf dem Heimweg. Die Braut und ihre Mutter, die offensichtlich eine Abmachung mit dem Teufel getroffen hatten, wurden fortan von den Mosbachern als auch von den Kittelsthalern gemieden. Das mutige Auftreten der Stiefmutter des Kittelsthaler Bauern war jedoch lange Zeit in lobender Weise in aller Munde.

Jetzt hast du es bald geschafft:

Start und Ziel des Rundwanderweges

Die sagenhaften Hörselberge entdecken

Natur, Sagen und atemberaubende Ausblicke – die Hörselberge bei Eisenach gehören zu den geheimnisvollsten Orten Thüringens.
Hörselberge bei Eisenach

Majestätisch und unnahbar ragen sie aus dem Thüringer Becken empor: Die Hörselberge. Wer von Eisenach aus Richtung Osten blickt, sieht nicht einfach nur ein Gebirge, sondern eine tektonische Verwerfung, die Geschichten aus Jahrmillionen erzählt. Als markanter Zeugenberg aus Muschelkalk bilden die Hörselberge eine natürliche Barriere, die das Land formt und das Klima beeinflusst. Doch was für Geologen ein Lehrstück der Erdgeschichte ist, stellt für den Wanderer und den Suchenden ein Portal in eine längst vergessene Zeit dar.

Die Entstehung dieses Massivs reicht über 240 Millionen Jahre zurück in das Zeitalter der Trias. Ein flaches Binnenmeer bedeckte einst das heutige Thüringen. Die Sedimente dieses Meeres – Muscheln, Krebse und Kalkschlämme – verfestigten sich über Äonen zu jenem harten Gestein, das heute die schroffen Abbruchkanten der Hörselberge prägt. Während die umliegenden Landschaften durch Erosion abgetragen wurden, trotzte der widerstandsfähige Muschelkalk den Elementen. So entstanden die charakteristischen „herzynischen“ Bruchstrukturen, die den Hörselbergen ihr fast alpines Antlitz verleihen.

Als logische Erweiterung unserer Entdeckungstour durch das Hölltal bietet der Aufstieg auf das Plateau einen dramatischen Szenenwechsel. Wo im Tal die Schatten der Farne und die Feuchtigkeit der Bäche dominieren, empfängt den Wanderer oben die Weite des Himmels und die karge, fast mediterrane Hitze der Kalkmagerrasen.

Blick vom großen Hörselberg zum Inselsberg

Tannhäuser: Die ewige Sehnsucht in den Hörselbergen

Kein Ort in Deutschland ist so eng mit der Dualität von Sünde und Erlösung verknüpft wie die Venusgrotte in den Hörselbergen. Die Sage vom Ritter Tannhäuser ist weit mehr als eine mittelalterliche Erzählung; sie ist ein psychologisches Porträt der menschlichen Zerrissenheit. Tannhäuser, ein fahrender Ritter und Minnesänger, soll hier den Eingang in das unterirdische Reich der Venus gefunden haben.

Inmitten von ewigem Frühling und berauschenden Festen verlor er jegliches Zeitgefühl. Doch die menschliche Seele verlangt nach Kontrast. Tannhäuser trieb es zurück ans Tageslicht, zurück in die Welt der Sterblichen, wo er schließlich in Rom beim Papst um Vergebung bat. Die Antwort des Papstes – sein hölzerner Stab werde eher grünen, als dass Tannhäuser Vergebung fände – markiert einen der dramatischsten Momente der Weltliteratur. Dass der Stab drei Tage später tatsächlich ausschlug, verwandelte die Hörselberge endgültig in ein Symbol für die Hoffnung und die unbesiegbare Kraft der Natur gegenüber menschlichen Dogmen.

Richard Wagner griff dieses Motiv in seinem "Tannhäuser" auf und schuf eine Oper, die das Echo der Hörselberge in die Konzertsäle der ganzen Welt trug. Wer heute vor dem schmalen Spalt der Venusgrotte steht, kann die Anziehungskraft dieses Ortes noch immer spüren.

Frau Holle: Von der Erdgöttin zum Kindermärchen

Parallel zum christlich geprägten Tannhäuser-Mythos existiert eine viel ältere, archaische Schicht: Das Reich der Frau Holle. In der Volkskunde wird sie oft als gütige alte Dame mit den weißen Betten dargestellt, doch ihre Wurzeln liegen in der germanischen Gottheit Holda. Die Hörselberge gelten seit jeher als ihr Hauptsitz.

Holda war die Beschützerin der Feldfrüchte, der Spinnerinnen und der ungeborenen Seelen. In stürmischen Winternächten, wenn der Wind über die schroffen Kalkfelsen heult, glaubten die Bewohner der umliegenden Dörfer wie Wutha oder Sättelstädt, das „Wilde Heer“ zu hören. Unter der Führung von Holda zogen die Geister der Verstorbenen über den Bergkamm. Das Hölltal am Fuße der Berge fungierte dabei als Aufstiegsort. Der Name „Hörsel“ selbst könnte laut Etymologen vom althochdeutschen „hursen“ (schnell bewegen) oder direkt von „Holda“ abgeleitet sein.

Diese Verbindung macht die Hörselberge zu einem Ort der Ahnenverehrung und der zyklischen Erneuerung. Hier wird deutlich, dass die „Schönen Unbekannten“ nicht nur Orte der Ruhe sind, sondern Orte, an denen die Zeitlinien der Geschichte ineinanderfließen.

Hörselberge ein Paradies auf kargem Grund

Was die Hörselberge für den Naturschutz so wertvoll macht, ist ihr Mikroklima. Die nach Süden ausgerichteten Steilhänge heizen sich im Sommer enorm auf, während das Gestein nachts die Wärme speichert. Dies schafft Lebensräume für Pflanzenarten, die eigentlich im Mittelmeerraum oder in den Alpen beheimatet sind.

Besonders hervorzuheben sind die Orchideenwiesen. Zwischen Mai und Juli bietet sich ein Schauspiel, das seinesgleichen sucht:

  • Das Purpur-Knabenkraut: Mit seinen stolzen Blütenständen dominiert es die Magerrasen.
  • Die Bienen-Ragwurz: Eine Meisterin der Mimikry, die Insekten zur Bestäubung täuscht.
  • Der Gelbe Enzian: Eine Rarität, die auf den Muschelkalkkuppen ein Refugium gefunden hat.

Neben der Flora ist der Berg ein Rückzugsort für den Wanderfalken, der in den unzugänglichen Felswänden brütet. Die Symbiose aus extremer Geologie und seltener Biologie macht jede Wanderung zu einer Entdeckungsreise für Hobby-Botaniker und Naturfotografen.

Hörselberg Blick von Fanroda

Botanik auf Messers Schneide

Das Wandern in den Hörselbergen ist ein Erlebnis für die Sinne. Besonders im Frühjahr (Mai bis Juni) verwandeln sich die kargen Kalkmagerrasen in ein Meer aus Farben. Hier wächst das purpurne Knabenkraut, die Bienen-Ragwurz und der seltene Frauenschuh.

Der Kammweg bietet dabei ständige Ausblicke. Zur linken Seite stürzen die Felsen fast senkrecht ab, während der Blick weit über das Thüringer Becken bis zum Kyffhäuser schweift. Zur rechten Seite breitet sich das Panorama des Thüringer Waldes aus, mit der Wartburg als ständigem Begleiter am Horizont.

Der Große Hörselberg (484m): Das Ziel jeder Wanderung mit dem geschichtsträchtigen Hörselberghaus.
Der Kammweg: Trittsicherheit ist hier gefragt, belohnt wird man mit alpiner Atmosphäre.
Flora & Fauna: Ein Rückzugsort für Wanderfalken und seltene Schmetterlingsarten.

Die Geologie des Muschelkalks: Ein offenes Geschichtsbuch

Warum faszinieren uns die Hörselberge so sehr? Es ist die Härte des Gesteins im Kontrast zur Sanftheit der thüringischen Hügelkette. Vor etwa 240 Millionen Jahren war hier ein flaches Meer. Die Ablagerungen der Schalen von Meerestieren bildeten den Kalkstein, den wir heute unter unseren Wanderschuhen spüren. Die Erosionskräfte haben im Laufe der Äonen Höhlen wie die Tannhäuserhöhle geformt. Diese geologischen „Wunden“ im Berg waren für die Menschen früherer Epochen die logischen Tore zur Unterwelt.

In der heutigen Zeit, im Jahr 2026, suchen wir in den Hörselbergen vor allem Entschleunigung. Die Hörselbegre  und die „Schönen Unbekannten“ zeichnen sich dadurch aus, dass sie abseits des Massentourismus liegen. Während die Wartburg oft überlaufen ist, findet man auf dem Kamm der Hörselberge oft noch die Stille, die man braucht, um den Wind in den Kiefern als das Flüstern alter Sagen interpretieren zu können.

„Die Hörselberge sind ein Ort, an dem man nicht nur mit den Beinen wandert, sondern auch mit der Seele.“

Wissenswertes für Ihren Besuch